Family Affairs in der HC65: Wenn Vater, Tochter und Sohn gemeinsam antreten
Das Rennen HC65 zählt zu den vielfältigsten Läufen des BELMOT Oldtimer-Grand-Prix – nicht nur wegen der beeindruckenden Bandbreite an Fahrzeugen bis Baujahr 1965, sondern auch wegen der Menschen, die sie bewegen. Auffällig viele Teams sind „Familienunternehmen“, und nicht selten teilen sich Vater und Tochter oder Sohn das Cockpit. Zuweilen treten die „Alten“ aber auch gegen ihren Nachwuchs zum direkten Duell an. Was in vielen historischen Rennklassen ein entscheidender Schlüssel ist, um die Begeisterung für diesen faszinierenden Sport lebendig zu halten, gelingt in der HC65 ganz offensichtlich – und das quer durch alle Klassen, wie einige besondere Beispiele zeigen.
Kersten und Richard-Sven Jodexnis – Racing-Duell auf Augenhöhe
Im Hause Jodexnis aus Hannover brennt das Rennsportfeuer doppelt: Vater Kersten und Sohn Richard-Sven starten in der HC65 normalerweise in getrennten Autos. An diesem Wochenende teilen sie sich ausnahmsweise am Samstag den Porsche 911 2,0 Liter aus dem Jahr 1965. „Wir hatten schon tolle Zweikämpfe in den letzten Jahren – das macht richtig Spaß“, erzählt Sohn Richard-Sven, der 1997 geboren wurde und sich mittlerweile an die Rundenzeiten seines Vaters herantastet. Dass sich Vater und Sohn nicht nur auf der Rennstrecke messen, sondern auch gemeinsam auf dem Porsche 356 für das Nachtrennen vorbereiten, zeigt: Als Cockpit-Team funktioniert das Gespann ganz ausgezeichnet. Und mit so viel Benzin im Blut ist fast schon klar, dass es auch mal in den aktuellen Motorsport geht – das beweist der gemeinsame Start bei den 24h Nürburgring im Porsche 911 GT3 Cup in diesem Jahr.
Axel und Henrik Vögele – die Mini-Dynastie vom Hockenheimring
Im Mini Cooper kann es ganz groß zur Sache gehen – das zeigen Axel und Henrik Vögele eindrucksvoll. Der Vater lenkt den gelben Austin Mini Cooper S mit der #21, der Sohn den Morris Mini Cooper S mit der #20. „Wir fahren zwar die kleinsten Autos im Feld, aber nicht unbedingt die langsamsten“, sagt Axel, der ein BMW- und Mini-Autohaus führt. Henrik, 25 Jahre alt, wurde von Kindesbeinen an vom Vater mitgenommen – sei es zum nahen Hockenheimring oder zu anderen Oldtimerveranstaltungen. Heute ist er sogar ein wenig schneller als der Vater und kämpft in der HC ’65 um Podiumsplätze in der Klasse. Dass alle vier Kinder der Familie Oldtimer fahren dürfen und die Begeisterung teilen, zeigt, wie tief Motorsport hier verankert ist. „Dabei sein ist cool – aber selber fahren, das macht’s aus“, sagt Henrik.
Reinhard und Lisann Korfmacher – Vater und Tochter teilen sich das Pony-Car
Wenn Vater Reinhard im schwarzen Ford Mustang 289 MK1 durch die Kurven driftet, ist die Tochter Lisann nicht weit – denn sie teilt sich das Pony Car aus den 60ern mit ihm. „Ich bin bei den Rundenzeiten so fünf Sekunden hinter ihm – aus Respekt“, grinst die 1999 geborene Tochter. Ihre Begeisterung für Motorsport begann früh, als sie als Kind dem Vater beim Schrauben und Fahren zusah. Heute teilen sich beide das 305 PS starke Coupé ohne Bremskraftverstärker oder Servolenkung – ein echtes Männerauto, wie der Vater augenzwinkernd bemerkt. Doch Lisann arbeitet sich stetig heran. „Am Anfang waren es 20 Sekunden Rückstand – und sie wird immer schneller“, sagt Reinhard stolz. Allerdings kann er natürlich auch auf einen deutlichen Erfahrungsvorsprung setzen – das wird deutlich, wenn der ehemalige Rallyefahrer bei feuchter Strecke seine Driftqualitäten erst so richtig zur Geltung bringt.
Motorsport verbindet – über Generationen hinweg
Ob Porsche, Mini oder Mustang – im HC65 fahren nicht nur historische Fahrzeuge, sondern auch gelebte Familiengeschichten. Wenn Tochter und Vater sich das Cockpit teilen, oder Sohn und Vater im Qualifying um Zehntelsekunden ringen, wird klar: Historischer Motorsport ist mehr als Nostalgie – er ist gelebte Leidenschaft. Das rekordverdächtig große Starterfeld mit knapp 50 Fahrzeugen zeigt: Diese Leidenschaft lebt. Und sie hat Zukunft.

