Premiere beim OGP: Die STW erstmals unter sich
Das werden ganz besondere Momente für Tourenwagen-Fans: Beim BELMOT Oldtimer-Grand-Prix treten 2025 erstmals Supertourenwagen der 1990er-Jahre in einem eigenen Rennen gegeneinander an. Zwar waren die agilen 2-Liter-Renner in den vergangenen Jahren bereits Bestandteil verschiedener Tourenwagenläufe – etwa im Rahmen der Tourenwagen Golden Ära (Rennen 1) –, doch ein sortenreines Feld gab es bislang nicht.
Ralph Bahr, Organisator der Tourenwagen Goldene Ära, sagt: „Wir hatten im vergangenen Jahr unter dem Titel Iconic 2 Liters erstmals ein Rennen für STW- und WTCC-Fahrzeuge gestartet. In diesem Jahr haben wir es nochmals aufgegriffen und mit Hilfe des ehemaligen STW-Piloten Max Huber ein sortenreines Rennen aufgestellt.“ Erlaubt sind ausschließlich Original-Supertourenwagen der Jahre 1993 bis 2000. Und der in der STW-Szene bestens vernetzte Münchner sorgte mit dafür, dass ein besonderes Feld zu dieser besonderen Premiere zusammenkommt.
Rückkehr der verlorenen Generation
Die STW – die Supertourenwagen – waren Mitte bis Ende der 90er-Jahre in mehreren nationalen Championaten eine Top-Adresse für Tourenwagensport. Hier traten Fahrzeuge an, die äußerlich fast seriennah wirkten, unter der Hülle jedoch aufwendig entwickelte Hochleistungsmaschinen verbargen: Leichtbau, sequenzielle Getriebe, CFK-Komponenten, Rennmotoren mit bis zu 8.500 U/min. Die Serie trat in Deutschland das Erbe der ersten DTM-Generation an – und wurde nach deren Aus für einige Jahre zur Bühne der großen Werke. Audi, BMW, Opel, Ford, Alfa Romeo und Peugeot traten mit ihren besten Fahrern an.
Beim OGP 2025 zeigt das Feld eindrucksvoll die Vielfalt dieser Ära: vom frontgetriebenen Peugeot 405 bis zum Allrad-Audi A4, vom Ex-Werkseinsatz bis zum Privatteam mit Leidenschaft ist alles dabei. 14 Fahrzeuge starten in zwei Sprintrennen über je 20 Minuten – weitere Fahrzeuge sind im Ausstellungszelt im Golden-Ära-Paddock (Heliport) zu sehen. Und im Feld gibt es einige fantastische Autos zu entdecken.
BMW mit Formel-1-Wurzeln
Da ist etwa der BMW E36 STW, den Yannik Trautwein an den Nürburgring gebracht hat. Er wurde einst von Fabrizio De Simone, einem früheren Williams-Testfahrer, in Italien gefahren. Der BMW verkörpert die technische Reife der STW-Spätphase – unter der seriennahen Karosserie arbeitet ein hochdrehender Vierzylinder-Rennmotor, kombiniert mit modernster Aerodynamik und Leichtbaukomponenten.
„Die STW, das sind schon ganz besondere Fahrzeuge“, sagt Trautwein. „Man muss unter die Haube schauen, um zu sehen, was da drinsteckt – die Technik ist extrem aufwendig.“ Trautwein selbst kann beim OGP nicht ins Rennen eingreifen: „Im ersten Qualifying gab es ein Motorproblem. Ich musste das Auto abstellen.“ Dennoch ist er überzeugt: „Wir haben hier 14 tolle STWs – hoffentlich ist das der Startpunkt für mehr.“
Allrad für die Ewigkeit
Mit der Startnummer #40 ist ein Audi A4 quattro zu erleben, der einst für Furore sorgte. Das heute von Markus Reich pilotierte Modell war so überlegen, dass die STW-Kommission den Allradantrieb schließlich verbot. Der Wagen wurde 1996 im Audi-Werksteam eingesetzt – unter anderem vom Österreicher Philipp Peter – und steht exemplarisch für die Ingenieurskunst dieser Jahre.
„Ich kam eher zufällig an das Auto“, sagt Reich. „Glücklicherweise gleich mit Ersatzteilpaket – das war ein echter Glücksfall, denn Teile sind heute kaum mehr zu bekommen. Ich habe außerdem noch die letzten Originalteile bei Audi sichern können.“ Auch für ihn ist klar: „Ich hoffe, dass das hier nicht einmalig bleibt. Die Idee eines STW-Rennens ist einfach super.“
Ein BTCC-Mondeo aus Neuseeland
Ein besonderes Stück Motorsportgeschichte bringt auch der Neuseeländer Scott O’Donnell mit: Sein Ford Mondeo STW stammt aus dem Jahr 1995 und wurde damals von Claudia Hürtgen für das Team Wolf gefahren – sie war eine der wenigen Frauen in der Supertourenwagen-Klasse.
„Ich habe das Auto 2017 in Italien entdeckt. Es war ziemlich ramponiert, aber die Substanz stimmte“, erzählt O’Donnell. „Bei uns in Neuseeland gab es zwar nie STW-Rennen, aber durch Leute wie Paul Radisich entstand eine riesige Begeisterung für diese Autos.“
Warum ein eigenes STW-Rennen so wichtig ist? „Weil diese Autos sich ähneln: Alle rund 300 PS, gleiche Reifengrößen – das ergibt spannende Rennen. Es ist großartig, sie wieder so kompakt auf der Strecke zu sehen.“
Vielfalt mit Geschichte
Auch abseits der genannten Fahrzeuge lohnt sich der Blick auf das Feld, in dem auch die Organisatoren selbst ins Volant greifen: Max Huber bringt einen weiteren Ford Mondeo mit – gefahren 1995 von Formel-1-Veteran Thierry Boutsen. Ralph Bahr pilotiert einen BMW E36, wie er einst von Johnny Cecotto eingesetzt wurde – der einzige Rennfahrer, der sowohl Motorradweltmeister als auch Formel-1-Pilot und später DTM-Star war.
Dazu gesellen sich Ex-Werksautos von Opel, Peugeot und VW, viele mit dokumentierter Historie. Ob der Peugeot 405 STW von Martin Niedertscheider (#51), der Vauxhall Vectra von Walter Lüthi (#6) oder der Vento STW von Nico Ulmer (#16) – sie alle stehen für eine Ära, die Motorsportfans heute wiederentdecken.
Der OGP 2025 liefert dafür die Bühne. Und vielleicht wird dieses Rennen – erstmals sortenrein, mit hohem Aufwand organisiert – der Startschuss für eine neue Zukunft der alten Supertourer.

