Christian Klien gehört im Kreis der prominenten Piloten beim diesjährigen BELMOT Oldtimer-Grand-Prix zur kleinen Gruppe der ehemaligen Formel-1-Fahrer. Daneben sammelte der sympathische Österreicher reichlich Erfahrung in Le Mans und auch im internationalen GT-Sport. An diesem Wochenende tritt er am Nürburgring in einer auch für ihn neuen Rennserie an: in der Interwetten Sports Cars Challenge. Die traditionsreiche Sportwagen-Serie ist neu im Programm des BELMOT Oldtimer-Grand-Prix – und auch für Klien noch Neuland.
Klien startet im PRC WPR66 #2 aus dem Jahr 2002. Angetrieben wird der nur rund 650 Kilogramm schwere Rennwagen von einem 3,5-Liter-Cosworth-V8, dessen technische Wurzeln im Formel-1-Motorenbau der Achtzigerjahre liegen. Das passt zu den Fahrzeugen in der Sports Cars Challenge: Das Starterfeld spannt einen weiten Bogen über unterschiedliche Generationen reinrassiger Rennsportwagen. Ein gemeinsamer Nenner ist allerdings der spektakuläre Sound. Gerade darin liegt für Klien ein besonderer Reiz: „Bei modernen Rennen ist alles ein bisschen leiser geworden. Hier ist es schön, dass es noch kracht und richtig zur Sache geht.“
Weniger Elektronik, mehr Rückmeldung
Auch im Cockpit unterscheidet sich der PRC deutlich von modernen Rennwagen. Das geringe Gewicht, der weitgehende Verzicht auf elektronische Unterstützung und das unmittelbare Fahrverhalten verlangen dem Fahrer einiges ab. Klien genießt genau diese Eigenschaften: „Das ist schon ein bisschen oldschool. Man muss selbst noch mehr Hand anlegen, und dadurch rückt der Fahrspaß stärker in den Vordergrund.“ Der Österreicher, der 49 Formel-1-Grands-Prix bestritt und außerdem auf umfangreiche Erfahrung mit Le-Mans-Prototypen und GT-Fahrzeugen zurückblickt, sieht darin nicht nur eine nostalgische Besonderheit: „Es ist vielleicht anspruchsvoller, das Auto am Limit zu bewegen. Dafür bekommt man mehr Rückmeldung vom Fahrzeug – und das erhöht den Fahrspaß.“
Gelungene Premiere
Dass bei aller Freude am historischen Rennsport auch der sportliche Ehrgeiz nicht verloren geht, zeigte Klien im ersten Lauf. Vom zweiten Startplatz übernahm er früh die Führung und fuhr anschließend zum Sieg. „Es geht hier um keine Weltmeisterschaft, der Spaß steht im Vordergrund. Aber wenn das Visier zuklappt, will doch jeder gewinnen.“ Auch im zweiten Rennen des Wochenendes fuhr Klien an der Spitze mit und lieferte sich ein enges Duell mit Marco Fink (Nova Proto NP01), das er schließlich zu seinen Gunsten entschied: Das war Rennsieg Nummer 2 für ihn.
Auch abseits seines eigenen Einsatzes gibt es für Klien beim OGP viel zu entdecken. Besonders beeindruckt zeigte er sich von einem IMSA-Porsche, den einst Klaus Ludwig fuhr. Überhaupt wecken viele der historischen Rennwagen bei ihm persönliche Erinnerungen – etwa die Tourenwagen, die er bereits in seiner Kindheit verfolgte.

