Klassentreffen der Tourenwagen-Stars

Wenn der Startschuss zu den „Tourenwagen Golden Ära” fällt, ist Gänsehaut garantiert. Denn kaum ein anderes Rennen des BELMOT Oldtimer-Grand-Prix 2025 bringt so viele ikonische Autos und ebenso legendäre Fahrer auf die Strecke. Ob Ford Sierra RS500, BMW M3 E30, Mercedes 190E Evo oder Audi 200 Quattro – sie alle erinnern an die große Zeit der DTM und der Zweiliter-Tourenwagen. Und nicht nur die Fahrzeuge lassen Erinnerungen wach werden: Auch viele ehemalige DTM- und STW-Größen sind zurück im Cockpit. Ein echtes „Klassentreffen der Tourenwagen-Stars”.

Legenden am Lenkrad

Kris Nissen ist einer von ihnen. Mit seinem BMW E30 M3, aufgebaut wie sein Original-Dienstwagen von 1991, tritt er mit unverhohlener Freude an. „Ich glaube, das Auto ist genauso schnell wie damals. Der Unterschied bin eher ich – 30 Jahre älter”, lacht er. Nissen, heute 65, genoss bereits viele Siege mit dem M3 und betont: „Diese Autos waren noch echte Fahrerautos.” Eingesetzt wird sein Fahrzeug vom Team Meier aus Schlettau, das er besonders lobt: „Die harmonieren wahnsinnig gut zusammen – wir haben viel Spaß und die machen einen super Job.”

Auch Roland und Sebastian Asch, Vater und Sohn, teilen sich ein Cockpit. Es ist der familieneigene Ford Sierra RS500, den sie in langen Stunden selbst aufgebaut haben. „Der Bastos-Sierra ist wie früher, als ich mit Eggenberger gefahren bin”, erinnert sich Roland Asch. Dass sie nach einem Trainingsunfall das Auto mit einer rot-weißen Warntafel notdürftig reparierten, sorgte zwar für Lacher im Fahrerlager, doch Asch blieb gelassen: „Vielleicht fährt jetzt keiner mehr rein.”

Altfrid Heger, früherer Audi-Werksfahrer, bringt einen audiophilen Leckerbissen mit: einen Audi 200 Quattro mit 5-Zylinder-Turbo, Handschaltung und ohne ABS. „Ein echtes Handwerker-Auto.” Und bei solchen Rennwagen mutmaßt der Essener, dass „der historische Motorsport den modernen vielleicht sogar überleben” wird.

Ebenfalls dabei: Kurt Thiim (BMW 635 CSi), Volker Strycek (Opel Kadett GSi), Marc Hessel (BMW E36 M3), Henry Walkenhorst (BMW E30 M3) und John Bowe, australischer V8-Supercar-Held im Volvo 240T. Selbst Gitarrist Victor Smolski (Ex-9!RAGE, Almanac) startet im BMW M3 E36 – eine Startliste, wie sie bunter und prominenter kaum sein könnte.

Benzingespräche statt Starallüren

Ob im Motor Klassik-Zelt bei der Autogrammstunde oder zwischen Werkzeugwagen und Klappstuhl im Fahrerlager: Die Stars sind beim BELMOT Oldtimer-Grand-Prix alles andere als unnahbar. „Das hier ist Motorsport zum Anfassen”, schwärmt Henry Walkenhorst, GT3-Teamchef und Fahrer in Personalunion, der sonst im Profirennsport unterwegs ist und die Unterschiede betont: „Hier gibt es keine Starallüren, keine große Show – einfach ehrlichen Sport.” Kurt Thiim bringt es auf den Punkt: „Es ist einfach Romantik. Man trifft alte Freunde, fährt ikonische Autos und hat Spaß. Das hält jung.”

Die wahren Stars: die Autos

So sehr das „Who is Who” der DTM fesselt – die Fahrzeuge selbst sind der emotionale Anker. Der bollernde Audi, die heulenden M3, die ikonischen Formen von Ford Sierra oder Opel Kadett: Sie alle stehen für eine Ära, in der Tourenwagenrennen laut, wild und voller Charakter waren. Neben den DTM-Boliden beeindrucken auch die Zweiliter-Autos der STW- und WTCC-Zeit. Peter Rikli etwa pilotiert seinen Honda Accord aus der früheren Tourenwagen-EM und bringt die Erinnerung an das Super-2000-Zeitalter zurück: „Das Reglement war für Privatfahrer gemacht – und hat echten Sport ermöglicht.”

So wird das Rennen 1 der Tourenwagen Golden Ära nicht nur zur sportlichen Herausforderung, sondern zu einer Zeitreise. Einem rollenden Museum mit Drehzahl und Öldruck. Und einer bewegenden Erinnerung daran, was echten Motorsport ausmacht.