Helmut Dähne hat zum BELMOT Oldtimer-Grand-Prix zwei Motorräder mitgebracht, die für außergewöhnliche Kapitel seiner Karriere stehen. Mit der BMW R 90 S gewann er 1976 die 1000-ccm-Klasse der Production TT auf der Isle of Man. Auf der Honda VFR750R, der legendären RC30, umrundete er 1993 die Nürburgring-Nordschleife in 7:49,7 Minuten: Eine Rekordrunde, die bis heute nicht unterboten wurde! Zwei Originalmaschinen, zwei besondere Strecken – und zwei Geschichten, die bis heute nachwirken.
Die BMW: Ein Sieg, 50 Jahre danach
Die BMW ist weitgehend noch das Motorrad, mit dem Dähne vor genau 50 Jahren auf der Isle of Man antrat. Lediglich ein Gehäuse musste zwischenzeitlich ersetzt werden. Vor dem Rennen hatte er die Maschine selbst vorbereitet und dabei vor allem auf Zuverlässigkeit geachtet. Kühlung und Schmierung spielten ebenso eine Rolle wie die Haltbarkeit von Stößelstangen und Kipphebeln.
Seine Erinnerung an den Klassensieg fällt überraschend nüchtern aus: „Gefreut hat mich der Sieg überhaupt nicht. Ich habe nur gesiegt, weil die Ducati, die vor uns lag, ausgefallen ist.“ Dähne selbst konnte nach eigener Einschätzung die Zeiten der führenden Maschine mitgehen, sein damaliger Teamkollege war jedoch langsamer. Ohne den Ausfall der Ducati hätte es deshalb vermutlich nicht zum Sieg gereicht.
Mit der Honda in 7:49,7 Minuten um den Ring
Auch die Honda VFR750R ist eng mit einer historischen Leistung verbunden. 1993 fuhr Dähne mit ihr bei einer Sonderprüfung im Rahmen einer Zuverlässigkeitsfahrt die Nordschleife in 7:49,7 Minuten. Bereits im Jahr war er hier am Start und verdammt fix: Nur 1,01 Sekunden mehr als der spätere Rundenrekord wurden gestoppt.
Die Zeit aus dem Jahr 1993 ist bis heute der gültige Rekord für Serienmotorräder auf der Nordschleife. Dass sie mehr als drei Jahrzehnte später noch immer Bestand hat, liegt allerdings auch an den veränderten Bedingungen: Seit 1994 werden auf der Nordschleife keine Motorradrennen mehr ausgetragen. Ein unmittelbar vergleichbarer offizieller Rekordversuch ist damit nicht mehr möglich. Das bekannte Onboardvideo mit Dähne entstand erst später und zeigt nicht die eigentliche Rekordrunde. Dennoch trug es sehr zum Mythos bei.
Die beiden Motorräder stehen zugleich für sehr unterschiedliche Herausforderungen. „Ich habe früher immer gesagt: Die Isle of Man fordert psychisch mehr, der Nürburgring physisch“, sagt Dähne. Auf der Isle of Man geht es auf öffentlichen Straßen unmittelbar an Mauern und anderen Hindernissen vorbei. Die Nordschleife verlangt dem Fahrer dagegen durch ihre fast ununterbrochene Folge anspruchsvoller Kurvenkombinationen körperlich besonders viel ab.
Grab the Flag! bringt Motorradgeschichte auf die Strecke
Den passenden Rahmen für Dähnes Besuch bildet Grab the Flag!. Die Vereinigung bringt 31 Fahrer und 35 Motorräder einschließlich der Ersatzmaschinen zum BELMOT Oldtimer-Grand-Prix. Die Bandbreite reicht von einer BMW R 57 aus dem Jahr 1928 bis zu Rennmaschinen der frühen 1980er-Jahre. Zu sehen sind unter anderem auch eine Norton Commando 750 und eine Norton International 500. Die Teilnehmer kommen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Liechtenstein.
Seit mehr als 30 Jahren widmet sich Grab the Flag! dem historischen Motorradrennsport. Der Verein wird heute von Hans-Dieter „Paul“ Strugalla als Erstem Vorsitzenden, Dr. Holger „Holgi“ Fließbach als Zweitem Vorsitzenden und Alexander „Ali“ Müllejans als Drittem Vorsitzenden geführt. Die Motorräder fahren auf profilierten Rennreifen statt auf Slicks und kommen ohne moderne Fahrwerkshilfen aus. Es seien Maschinen, „die eine kräftige Hand brauchen und gute Fahrer“, sagt Müllejans.
Beim OGP bleiben sie deshalb nicht nur Ausstellungsstücke im historischen Fahrerlager. Bei den Time-on-Track-Runden auf der Grand-Prix-Strecke und der Nordschleife werden sie zur rollenden Erinnerung an mehrere Jahrzehnte Motorradrennsport – mit Helmut Dähne und seinen beiden Maschinen als besonders geschichtsträchtigem Teil dieses Feldes.

