Kaum ein Rennwagen vereint spektakulären Sound, zeitloses Design und überzeugende Performance so eindrucksvoll wie der BMW M1 Procar. Beim DRM-Revival des BELMOT Oldtimer-Grand-Prix gehören die Exemplare von Michael Kammermann und Roger Waber zur Spitze des Feldes. Hinter den gewaltigen Gruppe-5-Capri sind die beiden Mittelmotor-Boliden die ersten Verfolger – und bei den Fans ohnehin ganz vorne dabei.

Rennwagen mit Formel-1-Vergangenheit

Der BMW M1 Procar entstand für einen Markenpokal, der 1979 und 1980 im Rahmen europäischer Formel-1-Wochenenden ausgetragen wurde. Dabei trafen Grand-Prix-Stars auf Privatfahrer und Spezialisten aus anderen Rennserien – in weitgehend identischen Fahrzeugen. Niki Lauda gewann die erste Saison, Nelson Piquet die zweite.

Nur etwas mehr als 50 M1 wurden im Procar-Renntrim aufgebaut. Angetrieben wurden sie von einem 3,5-Liter-Reihensechszylinder mit rund 470 PS. Das Triebwerk saß unmittelbar hinter dem Fahrer und verlieh dem M1 nicht nur seine ausgewogene Gewichtsverteilung, sondern auch seine unverwechselbare Geräuschkulisse.

Erstaunlich modern und gutmütig – bis zum Grenzbereich

Michael Kammermann bewegt beim DRM-Revival die #40. Der Motor leistet in der heutigen Abstimmung knapp 480 PS. Motor, Getriebe und große Teile des Fahrwerks stammen nach seinen Angaben noch aus der damaligen Zeit.

Wer einen Rennwagen aus den späten Siebzigerjahren erwartet, der ständig mit Widerstand und Eigenwilligkeiten auf sich aufmerksam macht, wird vom M1 überrascht. Kammermann beschreibt ein Auto mit viel Grip, einer sehr ausgewogenen Balance und einem Fahrverhalten, das schnell Vertrauen schafft. Der Procar fühle sich erstaunlich modern an.

Ein Selbstläufer ist er dennoch nicht. Je näher der Fahrer an den Grenzbereich kommt, desto deutlicher meldet sich der M1 zu Wort. Dann „fängt er irgendwann an zu zucken“, beschreibt er. Genau dort zeigt sich, dass trotz aller Ausgewogenheit ein fast 50 Jahre alter Rennwagen bewegt wird – ohne elektronische Helfer und mit reichlich Leistung an der Hinterachse.

Auch Roger Waber, der den M1 Procar #70 fährt, schätzt dieses unmittelbare Erlebnis. Seine Verbindung zu BMW reicht bis in die Kindheit zurück: Der Vater fuhr Fahrzeuge der Marke, die Familie betrieb einen Karosseriebetrieb und war im Motorsport aktiv. Der M1 wurde für ihn früh zum Wunschauto.

Ein Auto, das Arbeit verlangt

Besonders faszinieren Waber der Motor direkt hinter dem Fahrer und der Sound des hochdrehenden Sechszylinders. Doch die Nähe zum Triebwerk bedeutet nicht nur akustisches Vergnügen. Schalten, lenken, bremsen und das Auto im Grenzbereich kontrollieren – all das verlangt vollen Einsatz. „Es ist ein altes Auto, und da musst du schon arbeiten“, sagt Waber.

Im Feld des DRM-Revivals treffen die beiden M1 auf noch extremere Konstruktionen. Die hochgerüsteten Gruppe-5-Capri spielen mit ihrer Turbo-Leistung und ausgeprägten Aerodynamik in einer eigenen Liga. Unmittelbar dahinter gehören Kammermann und Waber mit ihren Procar-BMW jedoch zu den stärksten Fahrzeugen des Feldes.

Dass der M1 dabei zu den erklärten Publikumslieblingen zählt, liegt nicht allein an seiner Performance. Seine klare Linienführung, der charakteristische Sechszylinder-Sound und das sichtbare Arbeiten der Fahrer ergeben ein Gesamtpaket, das auch fast ein halbes Jahrhundert nach der Procar-Serie nichts von seiner Wirkung verloren hat.